Derr Herr ... gebe dir Frieden

 

An(ge)dacht Dezember 2018

 

Anfang Oktober hatten wir reichlich Sonnenschein, es war spätsommerlich warm und die Obstbäume hingen brechend voll. Dass in den Supermärkten bereits Lebkuchen, Dominosteine und dergleichen angeboten wurden, fand ich ziemlich unpassend. Andererseits: seit ich damals den Impuls für den November-Gemeindebrief geschrieben habe, geht mir ein Weihnachtslied nicht mehr aus dem Sinn. Deshalb nochmals weitere Gedanken zu der selben Bibelstelle - quasi als Fortsetzung.
„Brich an, du schönes Morgenlicht“ (EG 33) gefällt mir natürlich auch wegen der beeindruckenden Vertonung von Johann Sebastian Bach, vor allem aber aufgrund dieser Textpassage: „…dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein, dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen.“

Im Jugendkreis habe ich gelernt, einen Bibeltext auch in Bezug auf seine heilsgeschichtlichen Zusammenhänge zu betrachten und das ist mir wichtig geblieben. Den Satan zwingen und letztlich - also letztendlich, endgültig - Frieden bringen, das erinnert mich an den Bibelvers, der meines Erachtens am weitesten in die Zukunft blickt, nämlich 1. Kor. 15, 28 „Wenn aber  alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“ Und am weitesten zurück reichen Psalm 2,7 „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“ und danach die bekannte Stelle aus Joh. 1, 1 „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Wer bei Johannes weiterliest, merkt schnell, dass hier Jesus gemeint ist, spätestens wenn es in Vers 14 heißt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Oder wie es Paulus in seinem Brief an die Galater formuliert: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz gestellt, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste und wir als Kinder angenommen würden.“ (Gal. 4, 4). Es heißt nicht „als es Gott zu bunt wurde“ oder „als er keinen anderen Ausweg mehr wusste“, sondern „als die Zeit erfüllt war“. Hier wird Gottes Heilsplan sichtbar!

Das maßgebliche an Weihnachten ist nicht, dass Jesus als Mensch in diese Welt kam, sondern weshalb. Bach lässt in seinem Weihnachtsoratorium das Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“ auf die Melodie des Passions-Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“ singen. Weihnachten und Ostern hängen untrennbar zusammen und für mich gehört die Schöpfungsgeschichte mit dazu. Golgatha war kein Ausrutscher, sondern eine zwischen Vater und Sohn ausgemachte Sache. Und zwar, so glaube ich, längst bevor die Welt geschaffen wurde.

Gott hat uns Menschen einen freien Willen gelassen, mit allen (oft auch negativen) Konsequenzen. Und noch haben Gottes Widersacher Macht in dieser Welt. Mit wieviel Sorgen hören wir die Nachrichten? Und wie vieles läuft auch in unserem eigenen Leben schief? Trotzdem - die Menschheitsgeschichte ist Gott nicht entglitten. Über allem erfüllt sich doch sein Plan, auch für Sie und mich persönlich. Ein Plan des Heils! Diese Gewissheit ist die Grundlage meines Glaubens und gibt mir Zuversicht – auch in den Widrigkeiten des Alltags. Gott kommt zu uns – zu dir und zu mir, wir sind erlöst und seine Kinder, das Morgenlicht ist angebrochen.

„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jer. 29, 11).

„…und letztlich Frieden bringen“ – möge uns Gottes Frieden immer wieder neu begegnen und begleiten, in der Advents- und Weihnachtszeit, zum Jahreswechsel und im neuen Jahr.

Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

 

 

 

 

 

Es grüßt Sie herzlich - Horst Rempfer, Kirchengemeinderat