An(ge)dacht im März 2017

Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
Evangelium nach Lukas, Kap.5,5

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefs!

Ich werde ihn einfach nicht los. Er verfolgt mich. Irgendwie hat er sich bei mir festgehakt wie ein Angelhaken. Ich winde mich wie ein Fisch, versuche zu entkommen. Aber ich kann mich nicht losreißen. Er hat mich am Haken - der Monatsspruch vom Januar. Es ist der Satz eines Fischers. Petrus hat ihn gesagt - zu Jesus. Aber ich glaube nicht, dass seine Worte mich deshalb so fesseln. Nein, diese Worte verbinden mich auf besondere Art und Weise mit Jesus. Ihm ist der Satz gewidmet. „Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ Die Geschichte, die sich davor abgespielt hat ist schnell erzählt. Petrus ging mal wieder leer aus. Der Angelhaken, besser gesagt die Netze, blieben leer. Obwohl sie die ganze Nacht geschuftet hatten. Leere Netze. Leere Seiten – wieder mal nichts zu Papier gebracht. Und morgen erwarten die Leute gute Worte von der Kanzel herunter. Leerer Akku – die Puste geht aus. Wieder mal zu viel vorgenommen, obwohl ich dachte, das packe ich ganz locker. Leere Blicke, zu mehr war ich während des Besuchs nicht in der Lage. Ich schäme mich, weil ich nicht richtig zuhören kann – aber ich bekomme meine Gedanken im Moment einfach nicht sortiert. Und dann? Dann spricht Jesus folgende Worte. Nicht nur zu Petrus. Sie dringen auch in mein Ohr, in mein Herz, in meine Gedanken: „Fahre hinaus, dorthin, wo der See ganz tief ist, und dann wirf mit deinen Leuten die Netze zum Fang aus.“ Da war ich doch schon – vermutlich der erste Gedanke von Petrus. Und ja, er hat recht. In diesem Gewässer war er gewesen und genau dort hat er nichts gefangen. Aber die Aufforderung Jesu kommt zu einer unmöglichen Zeit, in der die Fische wegen der Mittagshitze nicht oben schwimmen. Und dann soll er die Netze auswerfen? Nur tiefer muss er die Netze auslegen, nicht nur an der Oberfläche. Und an der gleichen Stelle. Dort, wo er bereits seine Enttäuschungen erlebt hatte, wo er leer ausgegangen war.

Und damit hat Jesus auch mich am Haken. Er lässt mich nicht los. Er überlässt mich nicht mir selbst. Unter keinen Umständen. Und dann weiß ich: Ja, Andy, da musst du auch hin. An den Ort deiner Enttäuschungen, an dem du leer ausgegangen bist im Leben. In die Situationen, die alles so leer zurückgelassen haben. Die leeren Papiere, die leeren Gedanken, die leeren Gespräche. Nur dieses Mal geht es tiefer – Tiefenbohrung. Denn Glaube will nicht an der Oberfläche bleiben. Jesus will mit mir tiefer eintauchen. Es braucht nur eins: Seinem Wort ein Fünkchen Vertrauen zu schenken.

Petrus hat es riskiert. „Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ Wenn du es sagst, Jesus, dann will ich es wagen. Ja, ich traue es mir zu, dass die Netze gefüllt werden weil ich es dir zutraue, mein Gott!

Ich glaube, das wird mein „Wort des Jahres“. Dieses Jahr komme ich nicht von diesem Angelhaken los. Gut, dass ich diese Zeilen gerade schreibe – über die Tastatur ins Herz hinein. Auch gut, dass Jesus den Petrus nicht alleine hinausgeschickt hat an den Ort der Enttäuschung. Die Gefährten waren dabei. Wunderbar, dass ich nicht alleine bin, sondern der eine oder andere mit mir an diesem Haken hängt. Ich bin nicht der einzige, der erlebt, dass ihm ein leeres Netz die pure Enttäuschung ins Gesicht schreibt. Ich bin nicht allein – Gott ist mit mir unterwegs und noch viele, die mit mir unterwegs sind.

Gott sei’s gedankt!

Ihr Pfarrer Andreas Kopp