"ohne Worte" - Andacht für den Oktober

 

 

„Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir,
mein Seufzen war dir nicht verborgen“

Monatsspruch Oktober aus Psalm 38

 


Liebe Leserin, lieber Leser!


... „ohne Worte“ – kennen Sie diesen Ausdruck? Man findet ihn öfters unter Cartoons. Das Dargestellte erklärt sich von selbst, daher braucht es keine Worte und keine Erläuterungen. Der Inhalt wird allein durch das Bild transportiert. Die Botschaft ist so klar und offensichtlich und kann nicht missverstanden werden.

„Ohne Worte“ - sagen wir auch, wenn wir damit etwas besonders betonen wollen. Wir können nicht nachvollziehen, was jemand gesagt oder getan hat. Ich will es zwar nicht bewerten, aber es reicht schon, wortlos auszudrücken, was ich tatsächlich darüber denke – je nach Tonfall.

„Ohne Worte“, das könnte auch der Psalmbeter von Psalm 38 über sein Gebet schreiben.

Es fehlen einem die Worte, was da an Leid und Schmerz und Durcheinander in seinem Leben beschrieben wird. Nicht verwunderlich, dass einem angesichts derartiger Entwicklungen die Worte fehlen.

Mir geht es so und ich bin auch froh darüber. Ich will gar nicht auf alles und jedes eine Antwort haben. Klar kenne ich mein Bestreben, alles wissen zu wollen. Ich würde auch durchaus gerne verstehen, warum all die leidvollen Erfahrungen zu unserem Leben gehören müssen? Ich würde gerne verstehen, warum das Leid, die Krankheit, die Trauer, der Kummer ausgerechnet mich trifft? Aber gleichzeitig ist es äußerst fraglich, ob es mir dann besser gehen würde?  Das Leid, die Krankheit, die düsteren Zukunftsaussichten sind damit nicht gelöscht. Sie bleiben bestehen. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob es besser wäre, über das „Warum“ Bescheid zu wissen?  Vielleicht sehen Sie es anders?  Ihr gutes Recht!

Ich spüre meiner Sehnsucht nach…. will nicht wissen, warum mich Leid getroffen hat?

Aber meiner Sache will ich mir sicher sein, nämlich dass Gott trotz allem bei mir ist! Ich will mich nicht vertrauenslos mit der Antwort auf meine „Warum?“- Fragen abquälen, sondern mich vertrauensvoll an Gott wenden mit der Bitte: „Sei mir in all dem ganz nahe! Ich will darin nicht alleine sein. Du weißt um mich. Du kennst meine Sehnsucht nach Frieden über meinen schwierigen Lebenslagen!“  Und das darf und kann und muss manchmal auch „ohne Worte“ geschehen. So wie ich manchem Schicksal in meinem Leben gegenüber „ohne Worte“ bin, so weiß und glaube ich, dass ich vor Gott „ohne Worte“ sein darf. Er kennt meine Sehnsucht nach Heilung und Geborgenheit. Ich bin für Gott wie ein offenes Buch. Ich muss ihm gegenüber nichts formulieren. Er weiß Bescheid. Er kennt mich. Er weiß um mich und meine Sehnsucht. Alles „ohne Worte“, aber mit tiefem Seufzen. Von ganz tief unten. Aus dem tiefsten Winkel meines Herzens. Mein Seufzen - mitten hinein in das Herz Gottes. Ich weiß – da ist es gut aufgehoben.

Ich wünsche Ihnen, in der langsam dunkler werdenden Jahreszeit, dass Sie aus voller Überzeugung dem Seufzen in Ihrem Leben Raum geben! Mehr braucht es nicht. Mehr brauchen wir bei Gott nicht!

Es grüßt Sie herzlich, Ihr Pfarrer Andreas Kopp